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Weltspitze made in Austria
Borouge International ist der viertgrößte Chemiekonzern der Welt. Das Unternehmen, das erst heuer gegründet wurde und seinen Sitz in Wien hat, ist durch die Fusion von Borouge, ­Borealis und Nova Chemicals entstanden.
© Borouge International, Dynatrace/Gregor Hartl

147 Weltmarktführer

Weltspitze made in Austria

Sie produzieren in der Region, entwickeln in heimischen Betrieben und agieren doch auf der globalen Bühne – fast 150 österreichische Unternehmen zählen in ihren jeweiligen Märkten zur Weltspitze. In der großen GEWINN-Übersicht finden sich neben prominenten Branchengrößen auch zahlreiche Hidden Champions.

Von Friedrich Ruhm und Michaela Schellner

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30.06.2026

Auch 2026 präsentiert ­GEWINN traditionell eine exklusive Übersicht jener Unternehmen, die in ihren Branchen weltweit in der ersten Reihe stehen. Für die Aufnahme müssen mehrere Kriterien erfüllt sein – darunter ein klarer Bezug zu Österreich (weitere Infos siehe Kasten am Ende des Artikels).

Ein Unternehmen, das diese Voraussetzungen in vollem Umfang erfüllt, ist Borouge International. Der weltweit viertgrößte Chemie- und Kunststoffkonzern, dessen wichtigste Mitbewerber die chinesischen Konzerne Sinopec und China National Petroleum Corporation (CNPC) sowie die US-amerikanische Exxon Mobil Corporation sind, wurde zwar erst Ende März 2026 gegründet, basiert jedoch auf bereits etablierten Unternehmen. Möglich wurde dies durch die Zusammenlegung der Chemiesparten des heimischen, teilstaatlichen Energie- und Chemiekonzerns OMV und des staatlichen Öl- und Gaskonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate, Adnoc, beziehungsweise dessen internationalem Investmentarm XRG.

Konkret wurden die drei regionalen Marktführer Borealis, Borouge und Nova Chemicals zum neuen Chemieriesen fusioniert. Borouge International bringt einen Wert von mehr als 60 Milliarden US-Dollar (rund 53 Milliarden Euro) auf die Waage und befindet sich jeweils zur Hälfte im Besitz von OMV und Adnoc/XRG. Der ursprünglich zeitnah zur Fusion geplante Börsengang wurde inzwischen auf 2027 verschoben, um den Fokus vollständig auf den Marktstart zu legen.

Welche Dimensionen das neu formierte Chemieunternehmen erreicht, zeigt auch ein Blick auf die Transaktion selbst. Laut Goldman Sachs war der Zusammenschluss mit einem Volumen von 30 Milliarden US-Dollar (rund 26 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr die zweitgrößte Investitionstransaktion in der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika).

Wien als Unternehmenssitz

Besonders bemerkenswert ist zudem die Standortstruktur. Das globale Headquarter befindet sich in Wien, während der regionale Firmensitz in Abu Dhabi angesiedelt ist. Die Forschungsarbeit erfolgt in sechs globalen Innovationszentren in Österreich, Kanada, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Finnland, China und Schweden. Insgesamt verfügt das Unternehmen über rund 16.500 Patente.

Die Basis aller für die Bereiche Elektrifizierung, Konsumgüter, Gesundheitswesen und Automobilindustrie hergestellten Produkte bilden Kunststoffgranulate aus Polyethylen und Polypropylen. Diese werden aus Rohstoffen wie Naphtha und Gas gewonnen und in Crackanlagen zu Polymeren sowie maßgeschneiderten Kunststofflösungen weiterverarbeitet. Das Ergebnis sind Anwendungen, die laut Borouge International dazu beitragen, Patienten in Krankenhäusern zu schützen, Lebensmittel länger haltbar zu machen, einen zuverlässigen Energie- und Datenfluss sicherzustellen sowie kritische Infrastruktur zu unterstützen.

Geführt wird der in Europa, dem Nahen Osten und Nordamerika präsente Konzern mit weltweit mehr als 10.000 Mitarbeitern von einem vierköpfigen Vorstand. Diesen bilden CEO Roger Kearns (zuvor Präsident und CEO von Nova Chemicals), CCO Stefan Doboczky (bisher Borealis-Chef), CFO Patrick Jany und COO Hasan Karam.

Bis Ende des Jahres soll die Zusammenführung der Unternehmen abgeschlossen sein und langfristig auch dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit des Konzerns in einem geopolitisch zunehmend unsicheren Umfeld zu stärken.

Rekorde trotzen dem Umfeld

Dass die Rahmenbedingungen am globalen Markt nach wie vor herausfordernd sind, macht sich in diesem Jahr ohne Zweifel in tendenziell rückläufigen Kennzahlen der von GEWINN erho­benen Weltmarktführer bemerkbar. Dennoch gibt es erfreulicherweise auch einige Umsatzmarken, die überschritten, und neue Rekorde, die ­erzielt wurden. So knackte das 2005 in Linz gegründete Unternehmen ­Dynatrace zum 20-jährigen Bestehen erstmals die magische Marke von zwei Milliarden US-Dollar Umsatz. Der ehemalige Teilnehmer des GEWINN-Jungunternehmer:innen-Wettbewerbs hat sich zu einem weltweit führenden Anbieter von Software für die Überwachung und die Analyse komplexer IT-Systeme entwickelt und ist seit 2019 an der New Yorker Börse notiert. Mit Rückenwind aus dem KI-Boom steigerte Dynatrace im letzten Jahr den Umsatz um 18 Prozent auf 2,05 Milliarden US-Dollar. Einziger Schönheitsfehler: Da unsere Tabelle in Euro und nicht in US-Dollar erstellt wird, werden hier „nur“ 1,77 Milliarden (Euro) ausgewiesen.

Knapp wiederum, internationaler Marktführer in den Bereichen Lagerautomation und Intralogistik, konnte die magische Hürde von zwei Milliarden Euro durchbrechen. Die Ende ­Juni vorgestellte Bilanz für das Geschäftsjahr 2025/26 verzeichnet ein Plus von 7,6 Prozent und damit einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Der Weltmarktführer aus Hart bei Graz profitiert eigenen Angaben zufolge von seiner starken Position in den Kernbranchen Healthcare, Retail, Fashion, Food, Wholesale und Industry. Die wichtigsten Märkte sind aktuell Europa und Nordamerika, erfolgsentscheidend ist zudem die besondere Kompetenz in den bereichen Robotik und KI, heißt es. Vielversprechend für die Zukunft ist zudem der Auftragseingang von 2,51 Milliarden Euro.

Wieder zurück auf der Erfolgsschiene ist der Technologieführer im Bau von Gleisbaumaschinen, Plasser & Theurer. Das 1953 in Wien gegründete Unternehmen mit Stammwerk in Linz erzielte nach wirtschaftlich herausfordernden Jahren im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 731 Millionen Euro. Das entspricht ­einem Plus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr (469 Millionen Euro) und ist der höchste Wert der Unternehmensgeschichte. Besonders positiv ist, dass der Auftragseingang mit rund ­einer Milliarde Euro ebenfalls ein ­Rekordniveau erreichte.

Eine besondere Marke erreichte auch Haidlmair aus Nußbach im Bezirk Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich. Das vor mehr als 100 Jahren gegründete Familienunternehmen gilt heute als Weltmarktführer bei Großwerkzeugen für Getränke­kästen, Paletten, Lager- und Logistikbehälter und Wertstoffcontainer. Im Geschäftsjahr 2025/26 überschritt Haidlmair erstmals die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro.

Jubiläen und noch mehr Erfolge

Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens hat auch der Babyartikelhersteller MAM Grund zum Feiern. Das Unternehmen, das im Jahr 1976 von Peter Röhrig in Wien gegründet wurde, befindet sich nach wie vor zu 100 Prozent in Familienbesitz und steuert seine globalen Aktivitäten vom Hauptsitz in der Schweiz. In Österreich sind jedoch wesentliche Kompetenzzentren für Forschung, Produktentwicklung und Innovation angesiedelt. Die Innovationskraft zeigt sich in mehr als 33 technischen Erfindungen sowie in über 271 Patenten. Darüber hinaus verfügt MAM über Produktionsstandorte in Ungarn und in Thailand und 15 Tochtergesellschaften. Heute ist das Unternehmen in mehr als 60 Ländern vertreten und in zahlreichen Märkten Marktführer. Weltweit sind rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Umsatz hält sich die Gruppe bedeckt, jährlich werden über 79 Millionen ­Produkte verkauft.

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